vor einigen Wochen schrieb mir eine Ehrenamtliche aus einem kleinen Ort in Sachsen. Sie berichtete von einem Moment, der sie tief bewegt hat: Als sie bei einem Dorffest einem offen rassistischen Kommentar widersprach, schwiegen die Umstehenden zunächst. Doch später kamen zwei Menschen zu ihr und sagten: „Danke, dass du das gesagt hast. Wir haben uns nicht getraut.“ Für sie wurde in diesem Augenblick sichtbar, dass Hoffnung da entsteht, wo Menschen laut werden.
Hoffnung ist nicht nur ein Gefühl, sie ist ein Handlungsimpuls. Sie entsteht, wenn wir an die Möglichkeiten glauben, die eigenen und die der anderen, und wenn wir diese Erwartungen bewusst gestalten. Ein zentraler Mechanismus dabei ist der sogenannte Pygmalion-Effekt: Erwartungen prägen Verhalten. Positive Erwartungen können stärken, negative Erwartungen können lähmen. Genau das versuchen rechtsextreme Akteur*innen zu nutzen. Wenn sie behaupten, „Wir haben schon gewonnen!“ oder von einer „blauen Welle“ sprechen, dann zielen sie darauf ab, ein Gefühl der Übermacht zu erzeugen, in der Hoffnung, dass es zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
Anstatt uns von rechtsextremen Fantasien entmutigen zu lassen, sollten wir uns darauf besinnen, Mut zu machen. Denn aus Erfahrung wissen wir: Hoffnung ist wirksam, wenn sie mit Engagement verbunden wird. Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass es möglich ist, antidemokratische Narrative zu durchbrechen. Nächstes Jahr hoffen Rechtsextreme, bei den Landtagswahlen an die Macht zu kommen. Sie tun so, als sei eine absolute Mehrheit schon fast ausgemacht. Ein Blick auf die vorherigen Wahlen in den Bundesländern, wie beispielsweise in Sachsen-Anhalt, zeigt jedoch eindrucksvoll, dass dem nicht so ist. Im Wahlkampf legten die Demokrat*innen massiv zu. Beispiele wie diese verdeutlichen, dass demokratische Parteien im Wahlkampf noch ordentlich aufholen können, auch gegen scheinbar übermächtige Gegner*innen, die sich schon als Sieger*innen aufspielen. Denn in einer Demokratie gilt: Jede Stimme, jeder Beitrag zählt.
Überall in Deutschland engagieren sich Menschen, oft ohne große Öffentlichkeit: Fast jede Woche gründet sich ein neuer Ortsverein der OMAS GEGEN RECHTS. Zahlreiche lokale Bündnisse stellen sich rechtsextremen Mahnwachen entgegen. Und nie zuvor gab es so viele Christopher Street Days (CSDs) wie im Jahr 2025: 245 Veranstaltungen bundesweit, viele davon in Regionen, in denen queere Sichtbarkeit lange kaum möglich war. Diese Initiativen zeigen, dass demokratische Zivilgesellschaft lebendig, widerstandsfähig und gestaltbar ist. Sie geben uns Kraft und machen Mut. Auch politische Stimmen, etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, benennen klar, dass Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie darstellt.
Ein Gedanke aus dem Buch „Moralische Ambitionen“ passt hier besonders gut: Dort wird beschrieben, dass moralischer Fortschritt selten aus großen Gesten entsteht. Er beginnt „im kleinen Kreis derer, die den ersten Schritt wagen – und dadurch den zweiten ermöglichen“. Hoffnung, so heißt es sinngemäß, ist eine soziale Kraft: Sie wächst, wenn ein Mensch sich traut, und ein anderer dadurch spürt, dass auch er kann. Genau das sehen wir in vielen Gemeinden, Initiativen und Gesprächen: Mut ist ansteckend und damit auch Hoffnung.
Hoffnung wächst dort, wo Menschen sich einmischen, wo sie einander stärken und wo sichtbarer Widerspruch gegen Menschenfeindlichkeit gelebt wird.
Ich lade Sie ein, heute jemandem zu schreiben, dessen Engagement Sie schätzen. Sagen Sie dieser Person konkret, welche Wirkung ihr Einsatz hat. Sichtbare Anerkennung verändert etwas: für die Einzelnen und für die Gesellschaft.
In diesem Sinne sende ich Ihnen die besten Wünsche für die kommenden Feiertage und einen hoffnungsfrohen Start ins neue Jahr!
Mit herzlichen Grüßen Lisa Geffken Koordinatorin Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention (KompRex) |