Die Wahl ist vorbei. Unsere Analyse zeigt, wie es zum AfD-Sieg kam und wie es jetzt weitergeht.
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Liebe*r Leser*in,

 

unsere Gedanken drehen sich noch immer um den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt. Wie konnte es dazu kommen, dass sich so viele eine rechtsextreme Partei an die Macht wünschen, deren Politik gerade Menschen mit kleinen Einkommen kaum etwas zu bieten hat?

 

Wir haben uns den Wahlkampf genau angesehen, waren auf Wahlveranstaltungen. Ein Teil der Antwort liegt in der Strategie der AfD: Sie setzte von Anfang an auf permanente Präsenz vor Ort, auf ein radikales Wahlprogramm, bekam damit sehr früh große mediale Aufmerksamkeit und dominierte die politische Debatte. Aber dann wechselte sie zu einem scheinbar unpolitischen Wohlfühl-Wahlkampf: Familienfeste mit Bratwurst, Simson-Ausfahrten, Selfies und ein dauergrinsender Spitzenkandidat rückten die rechtsextreme Ideologie in den Hintergrund.

 

Doch der Wahlsieg gehört nicht der AfD allein. Er ist auch ein Erfolg ihres rechtsextremen Vorfelds, das seit Jahren an Strategien, Bildern und politischen Ideen arbeitet. In Schnellroda werden rund um den rechtsextremen Strategen Götz Kubitschek Begriffe und politische Konzepte entwickelt, Netzwerke aufgebaut und Kampagnen vorbereitet. Sie liefern Personal, Propaganda und Hochglanzmedien. Und die AfD trägt diese Ideen in Wahlkämpfe, Parlamente und finanziert die Neue Rechte, indem sie Schlüsselfiguren bei der Partei beschäftigt.

 

Am 6. Oktober konstituiert sich der neue Landtag in Sachsen-Anhalt. Dann zeigt sich, ob die demokratischen Parteien eine eigene Mehrheit organisieren können oder erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei unmittelbar nach der Regierungsgewalt greift.

 

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Am kommenden Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. In Mecklenburg-Vorpommern könnte die AfD mit 36 bis 38 Prozent erstmals stärkste Kraft werden. Erhält die Partei mehr als ein Drittel der Mandate, verfügt sie über eine Sperrminorität und würde damit erheblichen Einfluss auf zentrale Institutionen des Landes gewinnen. In Berlin könnte sie im Osten mehrere Bezirksämter übernehmen.

 

Was bedeutet das für uns? Unsere Antwort auf rechtsextreme Netzwerke sind demokratische Bündnisse. Wir unterstützen die Menschen und Initiativen, die sich vor Ort für Demokratie einsetzen. Unsere Petition für einen Demokratie-Schutzschirm braucht Deine Stimme. Gemeinsam fordern wir die Ostbeauftragte auf, engagierte Menschen in Ostdeutschland jetzt nicht im Stich zu lassen, sondern sie zu fördern und zu schützen. Und wenn Du schon unterschrieben hast: Teile die Petition gerne in Deinem Umfeld!

Weiterlesen & Mitmachen

Weil wir gerade jetzt daran erinnern wollen, was demokratisches Engagement bewirken kann, stellen wir Dir heute unseren Jahresbericht 2025 vor. Letztes Jahr nahm die Bedrohung für zivilgesellschaftliches Engagement stark zu, seien es Angriffe auf Initiativen vor Ort oder die Pläne der Bundesregierung, finanzielle Unterstützung für Demokratiearbeit zu streichen. Im Bericht zeigen wir, wie wir selbst davon betroffen sind und was wir gemeinsam mit unseren Unterstützer*innen trotzdem bewegt haben: für eine starke Demokratie und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Lies ihn hier online oder bestelle Dir eine Ausgabe kostenfrei nach Hause.

 

Auf Belltower.News findest Du ausführliche Analysen zur Wahl in Sachsen-Anhalt, zum Wahlkampf der AfD und zu ihren Verbindungen in das rechtsextreme Vorfeld. Wie reagiert der Kreml auf den AfD-Sieg? Welche rechtsextremen Aktivisten engagieren sich jetzt um Positionen in der neuen stärksten Partei in Sachsen-Anhalt? Hier findest Du Antworten.

 

Am 23. September steht die nächste Online-Sicherheitssprechstunde an. Diesmal sprechen wir mit Matthias Jakubowski von FragDenStaat darüber, wie gemeinnützige Vereine und Initiativen zunehmend unter Druck geraten, indem gezielt ihr Engagement und ihre Neutralität angezweifelt werden. Welche Vorgaben gelten für zivilgesellschaftlich Engagierte? Wie kann man sich gegen Angriffe dieser Art am besten wehren? Das und mehr erfährst Du bei der Online-Diskussion. Hier geht’s zur Anmeldung.

Das macht Mut.

Stell Dir vor, direkt neben Deinem Haus zieht ein bekannter Neonazi ein und macht seinen Vorgarten zum Szenetreff, veranstaltet Rechtsrock-Konzerte, lässt sich mit „Sieg Dir!” grüßen. Genau das ist Sylvia Joos aus Hoerstgen in Nordrhein-Westfalen passiert. Sie und ihr Mann wurden eingeschüchtert, ein Stein flog durch ihr Fenster, es kam zu Morddrohungen. Sie entschieden sich, sich zu wehren. Für Menschen, die in ihrem direkten Wohnumfeld von Rechtsextremen bedroht werden, gibt es den Ratgeber „Wenn Zuhause nicht mehr sicher ist“. (1) Er zeigt, wie Betroffene mit der Situation umgehen können, welche Unterstützung es gibt und wie sie sich schützen und zur Wehr setzen können. Wir haben die Entstehung des Ratgebers unterstützt.

 

Herzliche Grüße

Timo Reinfrank

Vorstand der Amadeu Antonio Stiftung

 

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Quelle

1) Was tun gegen Nazi-Terror in der Nachbarschaft?, Amadeu Antonio Stiftung, 26.6.2026

Amadeu Antonio Stiftung
Karl-Marx-Allee 1
10178 Berlin
E-Mail: info@amadeu-antonio-stiftung.de
Tel.: +49 (0)30 240 886 10
Fax: +49 (0)30 240 886 22

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